Komische Parameter

Ich mag Sob-Sister-Formate. In diesem Kontext gibt es in der SZ eine erfolgreiche Kolumne namens “Gewissensfrage,” in der mal mehr, mal weniger brennende moralische Fragen von Lesern gestellt und vom Kolumnisten beantwortet werden. Diese Kolumne hatte ich eine Weile gern gelesen (neben zwei anderen Favoriten die beide inzwischen nicht mehr schreiben, wobei Cary Tennis’ Kolumnen noch online sind und die von Dotty leider nicht mehr).

Irgendwann las ich dann eines Tages einen “Gewissensfrage”-Beitrag, von dem ich dachte, uh. Irgendwie ist der Spaß jetzt weg. Heute, wie gesagt, zum ersten Mal seither wieder gelesen.

Prompt musste ich natürlich an die eine Antwort denken, die mich damals so wegirritiert hatte. Die betreffende Kolumne ist heute noch online und ich konnte sie mir mit Abstand nochmal anschauen. Die Frage war:

Vor Kurzem stand ich bei Regen und Kälte an der Haltestelle und wartete, mit vielen anderen Leuten, auf die verspätete Tram. Als sie endlich kam, drängten alle zu den Türen. Zum Schluss wollte ein Vater mit Kinderwagen einsteigen, aber der Wagen war voll. Er musste draußen bleiben und auf die nächste ebenfalls verspätete Tram warten. Hätten ich und andere Fahrgäste aussteigen müssen, um Platz für den Kinderwagen zu schaffen?

Wir haben es hier mit einem recht klassischen First World Problem zu tun. Wie auch immer man sich in der Frage entscheidet, für keinen der Beteiligten bedeuten die Konsequenzen mehr als eine bloße Unannehmlichkeit; keiner ist oder wäre jetzt daran gestorben, noch länger dem Regen ausgesetzt zu bleiben. Aber die Kolumne nimmt ja solche winzigen Fragen genau deswegen auf, weil der Charme darin besteht, das Prinzip der ethischen Entscheidung anhand eines sehr handhabbaren Falls grundsätzlich zu demonstrieren. Und das, finde ich, ist in diesem Fall kläglich gescheitert.

Zwar kommt der Kolumnist Rainer Erlinger am Ende auf eine für mich sinnvolle Antwort – nämlich, natürlich wäre es grundsätzlich netter bzw. besser gewesen Platz zu machen. Aber die Logik der Begründung stört mich immens. Erst kommt er der Fragestellenden (“Gabi R.”) mit folgenden Worten der Weisheit:

Zwar tragen Eltern, indem sie Kinder aufziehen, tatsächlich zum gesellschaftlichen Nutzen bei, aber Kinder zu bekommen wird – einschließlich der Kinder selbst – durch diese Betrachtungsweise auf einen Nützlichkeitsaspekt reduziert. Die Kinder werden dabei in den Worten Immanuel Kants »bloß als Mittel« betrachtet und dadurch in ihrer Würde beschädigt.

Yo. Soweit einverstanden. Aber dann zwei Absätze später geht’s plötzlich in der Entscheidungsbegründung für “Ja, wäre besser gewesen” folgendermaßen weiter:

Auch wenn die Entscheidung, Kinder zu bekommen, eine freie ist, gehört sich fortzupflanzen zur Natur des Menschen, zum Menschsein. Mehr als andere Entscheidungen, mit denen man seine Idee vom Leben gestaltet. Damit aber würde ich den Umstand, Kinder zu haben oder nicht, auf eine Stufe stellen mit den verschiedenen Möglichkeiten, die Menschen von der Natur mitgegeben bekommen; und für die hat John Rawls in seiner Theorie der Gerechtigkeit den Grundsatz geprägt, dass die Gesellschaft die Aufgabe hat, die unterschiedlichen Chancen auszugleichen, um Ungerechtigkeiten zu vermeiden.

Aha. Und wer betrachtet jetzt die Kinder bloß als Erweiterung der elterlichen Entscheidung und vergisst im Eifer des Gefechts völlig, dass da gerade ein Säugling bei “Regen und Kälte” noch ne halbe Stunde länger nicht nach Hause kommt? Erschwerende Stichworte “Hunger” und “volle Windel”…?

Wenn man schon so pompös von der Würde des Kindes palavert, sollte man vielleicht nicht im nächsten Satz ausschließlich von der Diskriminierung der Eltern reden, eine Diskriminierung übrigens, die weniger durch das Verhalten der Fahrgäste sondern vielmehr durch die bloße Existenz des Kindes (!) hervorgerufen wird. In einer anderen Form scheint Erlinger der Gedanke an das Kind im Wagen nicht zu kommen. Er denkt über den Vater mit seinem Kinderwagen als “Erwachsener plus abstrakter Anlass für Statusveränderung” statt als “Erwachsener plus Baby.”

In anderen Beiträgen in der Kolumne scheint dieses schwierige Verständnis zu Kindern auch durch, beispielsweise in diesem, wo es (O-Ton) um eine zumutbare “Dosis Kind” geht oder diesem Beitrag, in dem Erlinger spekuliert, dass alberne Kindermützen wahrscheinlich ein psychologisch nachvollziehbares Zeichen elterlicher Rache am Nachwuchs sind (à la “Dieses Scheißleben, das die Racker einem aufbürden! Man gönnt es seinem schlimmsten Feind nicht!”).

Es sei natürlich jedem gegönnt, keine Kinder zu mögen. Aber dann kann man auch ehrlich sagen, kommt Leute, mit Kindern, ihr wisst Bescheid. Fragt wen anders.

Aber das dann eben nicht zu sagen, sondern statt dessen so pseudo-objektiv daherzulabern… och nö. Das ist mir echt zu klassisch-aufklärerisch. Zwischen so ner Einstellung und dem heutigen Tag liegt normalerweise das zwanzigste Jahrhundert.

Deswegen…

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…habe ich die Kolumne seitdem eher nicht mehr gelesen.

 

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Das Blitzableiter-Problem

In letzter Zeit gibt es ja immer wieder diese Feuilletondebatten um Leute wie Sybille Lewitscharoff oder Akif Pirinci, die mich samt und sonders unentschlossen zurücklassen. In der Regel erschöpft sich meine Reaktion in der Feststellung, dass die jeweilige Protagonistenmeinung menschenfeindlich ist (aus Gründen, die man z.B. in den hinter den obrigen Namen verlinkten Artikeln nachlesen kann). Die zunehmende Häufigkeit solcher Debatten wurde auch schon als eigenständiges Phänomen diskutiert, weil die Frustration, dass man bei solchen Debatten jedesmal wieder ganz bei Null anfangen muss, allmählich weit verbreitet ist – ich persönlich kenne das vor allem aus feministischen Debatten oder wenn es um Themen wie “the Commons” und Internetkultur geht. Irgendwie hat man nicht das Gefühl, dass es sehr viel bringt, sich zu äußern, wenn außer den üblichen Gleichgesinnten eh keiner zuhört.

Dieser Beitrag hier dümpelte dementsprechend eine ganze Weile in meinem Entwürfe-Ordner herum, weil ich außer “Äh, holy shit – wow?” erstmal nicht viel beizusteuern hatte. Das macht einen irgendwann unruhig, gerade wenn man so eine gesamtgesellschaftliche Problemstellung vor sich hat. Da möchte man ja durchaus eine Meinung haben, die sich nicht (oder zumindest nicht ausschließlich) im achselzuckenden Abnicken anderer Meinungen erschöpft.

Dann fiel mir plötzlich ein Vortrag ein, den ich neulich (also, irgendwann im Laufe meines Lebens und ich kann mich noch dran erinnern) gehört habe. Damals wurde mal wieder ein neuer Cambridge Companion herausgebracht, also eine sehr prestigeträchtige Anthologie neuster Forschung zu irgendeinem gemeinsamen Thema. Der Vortrag selbst wurde von einem der HerausgeberInnen gehalten und bestand darin, die Methodik dieses bestimmten Companions zu erläutern. Und die war so: Die mitschreibenden ForscherInnen mussten in ihren Artikeln mindestens einmal auf andere Artikel im gleichen Companion verweisen, idealerweise sollte auch das Argument selbst auf andere Beiträge direkt reagieren. Die ForscherInnen sollten sich gegenseitig zitieren, kommentieren und widersprechen. Das Ziel war, nicht nur nebeneinanderstehende Perspektiven aufzureihen, sondern eine richtige, lebendige Debatte abzubilden. Eigentlich ein interessantes Projekt.

Allerdings waren die HerausgeberInnen nicht damit zufrieden gewesen, einfach abzuwarten, wie sich die Dinge aus der Aufgabenstellung heraus entwickeln würden. Sie wollten von vornherein nicht nur irgendeine Debatte, sondern eine Debatte, bei der die Fetzen fliegen. Sie suchten also schon bei der Auswahl der Beitragenden einen einzelnen (O-Ton) “Blitzableiter,” der Widerspruch und pointierte Positionierungen innerhalb des Companions gezielt provozieren sollte. Also luden sie einen Forscher ein, der seinerzeit mit einer ziemlich schrillen These viel von sich reden machte (und ja, auch diese These hatte etwas ziemlich Menschenfeindliches).

Dieser Typ wurde mit seiner Positionierung als “Blitzableiter” natürlich zum unangefochenen Protagonisten der Anthologie, recht ähnlich wie das auch bei den aktuellen Feuilletondebatten zu beobachten ist. Alle anderen ForscherInnen arbeiteten sich dank der vorgegebenen Methodik an diesem schrillen Typen ab und erreichten damit, dass das ganze Buch sich in erster Linie relativ zu ihm positionierte – es gab, grob gesagt, in diesem Companion seine Theorie und dann mehr oder weniger heftige Kommentare zu seiner Theorie. Der zentrale Artikel, den man in dem ganzen Teil einfach lesen musste (und spätestens nach dem dritten zornigen Verweis auch unbedingt lesen wollte), war seiner.

So ein Cambridge Companion, das ist ja eigentlich allerhöchstes Gesprächsniveau. Und ausgerechnet hier findet man genau die gleichen Mechanismen vor wie in diesen sprachlos machenden Feuilletondebatten. Man findet eine von Krawallkalkül getriebene Grundidee für die Struktur der Debatte, die Herausgeberschaft erzeugt berechtigte und leidenschaftliche Empörung die aber innerhalb des Formats nur krawallinstrumentalisiert bleiben kann, man bekommt dementsprechend als “Debatte” nur das zentrale Kreisen um eine grundsätzlich erstmal ekelhafte Meinung, und natürlich entspringt daraus quasi im Vorbeigehen das Unsichtbarmachen authentischer Alternativpositionen. So sieht eine “lebendige Debatte” aus. Ganz unironisch. Im deutschsprachigen Feuilleton wie im Cambridge Companion to the Most Important Contemporary Ideas of the Western Hemisphere. Why, fuck you very much.

Die Tatsache, dass dieser Mist nicht nur im Dunstraum der Kunst passiert sondern auch in der Wissenschaft, öffnet allerdings auch die Augen dafür, wie anders man diese Debatten grundsätzlich sehen kann. Max Weber hat mal einen schönen Text verfasst, in dem er eben gerade nicht das Arschloch, sondern die Kommentatoren ins Zentrum rückt. Denn anders als in der Kunst ist in der Wissenschaft (idealerweise) die reagierende Debatte selbst das Zentrum der Welt, oder kann zumindest mit einiger Überzeugungskraft so dargestellt werden.

Ein Kunstwerk, das wirklich »Erfüllung« ist, wird nie überboten, es wird nie veralten; der Einzelne kann seine Bedeutsamkeit für sich persönlich verschieden einschätzen; aber niemand wird von einem Werk, das wirklich im künstlerischen Sinne »Erfüllung« ist, jemals sagen können, daß es durch ein anderes, das ebenfalls »Erfüllung« ist, »überholt« sei. Jeder von uns dagegen in der Wissenschaft weiß, daß das, was er gearbeitet hat, in 10, 20, 50 Jahren veraltet ist. Das ist das Schicksal, ja: das ist der Sinn der Arbeit der Wissenschaft, dem sie, in ganz spezifischem Sinne gegenüber allen anderen Kulturelementen, für die es sonst noch gilt, unterworfen und hingegeben ist: jede wissenschaftliche »Erfüllung« bedeutet neue »Fragen« und will »überboten« werden und veralten. Damit hat sich jeder abzufinden, der der Wissenschaft dienen will. Wissenschaftliche Arbeitenkönnen gewiß dauernd, als »Genußmittel«, ihrer künstlerischen Qualität wegen, oder als Mittel der Schulung zur Arbeit, wichtig bleiben. Wissenschaftlich aber überholt zu werden, ist – es sei wiederholt – nicht nur unser aller Schicksal, sondern unser aller Zweck. Wir können nicht arbeiten, ohne zu hoffen, daß andere weiter kommen werden als wir.

Wenn man sich also nur über menschenfeindliche Perspektiven aufregt und dabei sprachlos stehenbleibt (oder, wie die Herausgeber verschiedenster Medien, damit kühl kalkuliert und sich dann “nach getaner Arbeit” zufrieden zurücklehnt), schreibt man diesen Positionen eine Bedeutung zu, die gerade in einem demokratischen Gesprächszusammenhang so nicht stehenbleiben dürfen. Man sollte statt dessen viel zentraler würdigen, dass es Widerspruch gibt und transparent machen, worin der genau besteht, warum, wann, von wem – weil es genau dieser Widerspruch ist, aus dem heraus sich interessante neue Perspektiven entwickeln können. Die Debatte, nicht der Zorn, muss das Wichtigste sein und das Wichtigste bleiben. Aber dafür muss man eben auch eine Form finden, die das Richtige an der ganzen Streiterei betont, nämlich Perspektiven, die wirklich klar machen, inwiefern sie tatsächlich für den Menschen statt nur auf seinem Rücken formuliert sind.

Also, Zeitungen, Herausgeber, Gatekeeper: Könnten wir diese Unsitte mit den Blitzableitern in Zukunft eher unterlassen?

Links in zwei Dreierformationen

Dreierformation #1: akademische Schlagworte!

Race, class, gender!

Race im weitesten Sinne: über grundsätzliche Erhebungsschwierigkeiten von “neutralen” empirischen Daten zu menschlichem Verhalten.

Class: darüber wie die deutsche Mittelklasse hasst und amerikanische Superreiche die Welt zerstören

Gender: gut lesbarer Überblick über neuere Forschung zum “Menschen” von Judith Butler, sowie eine Internetseite, die interessante religiöse (i.e. katholische) Fragen aufwirft.

 

Dreierformation #2: ein Reim!

Was zum Spielen…

– mit Sprache

– mit Pulp-Titelblättern

Was zum Denken…

– über Notwendigkeit als philosophische Kategorie

– über den untoppbaren Namen einer Institution: Museum des Vergessens

… und was Drittes zum Verschenken.

“Kant sagt, dass Demut nicht dem Statusvergleich mit anderen Individuen entspringt (was zur Sünde der Kriecherei führen würde), sondern der Bereitwilligkeit, in uns hineinzublicken, um uns selbst und unsere Handlungen mit den Anforderungen eines moralischen Gesetzes zu vergleichen,” schreibt Michael Rosen. In diesem Sinne verschenke ich hiermit einen Absolutely Inofficial Immanuel Award an Serotonic.

Verbindlichst, Eichmann

Hannah Arendt hat in den frühen 1960ern über Adolf Eichmann geschrieben und im Bezug auf seinen spektakulären Prozess in Jerusalem der Begriff “Schreibtischtäter” geprägt – also eine Person, die anderen Menschen Monströses antut, das von ihr verursachte Leid aber nicht direkt mitbekommt, weil ganze Apparate, Strukturen, Bürokratien, Institutionen zwischen ihr und dem Opfer ihrer Entscheidungen liegen.

Bisher ist in Deutschland die Holocaust-Debatte vor allem dadurch erhalten geblieben, dass unsere Eltern/Großeltern (je nachdem) zu dieser Zeit gelebt haben. Menschen die wir persönlich kannten, waren von diesem Regime geprägt worden, hatten es miterlebt, waren vielleicht sogar seine Schergen gewesen. Diese Verwandten haben die historische Schuld zu einer Präsenz bei jeder Familienfeier gemacht. Heute sind diese Verwandten so gut wie alle tot. Damit sind die Nazis ein Thema von gestern. Der allgemeine Tenor ist, das Leben muss weitergehen, man wird ja wohl nochmal mit nunmehr befreitem Brustkorb was Markiges sagen dürfen.

Ich frage mich allerdings, ob man immer explizit einen Holocaust verüben muss, um genau wie Eichmann ein Schreibtischtäter zu sein. Der Nazi-Vergleich gilt heute weitgehend als Totschlag-Keule um Diskussionen zu beenden, aber es ging in der Holocaust-Debatte vor allem um die Natur der Schuld. Und so, denke ich, sollte man sich an die Nazis erinnern – als Anlass, seine eigene Positionierung innerhalb von Apparaten, Strukturen, Bürokratien, Institutionen immer wieder grundsätzlich ethisch zu überdenken.

Neulich war ich mehr zufällig beim Mittagessen mit einem Professor-Literaten-Schwergewicht, das ich ansonsten nicht kenne (das hätte ich wohl gern; dieses Mittagessen lief eher so in der Liga “Ich stand schon mal am Buffet neben Günter Grass und wir fragten uns gemeinsam, ob der Ziegenkäse was taugt”). Irgendwie kam das Gespräch auf Familienglück und darauf, dass ich selbst keine Bilder von meiner Familie in meinem Portemonnaie mit mir herumtrage. Ich wurde gefragt warum eigentlich, und ich wusste keine allzu geschliffene Antwort darauf, also sagte ich (Glatteis!) die Wahrheit.

Ich sagte, ich würde mich selbst zu gut kennen: Wenn ich Familienbilder dabei hätte, könnte ich mich nicht zügeln sie bei jeder Gelegenheit überall herumzuzeigen. Aber, so fuhr ich fort, die meisten Leute interessiere es in Wirklichkeit einen feuchten Kehrlich, wer meine Liebsten sind, selbst wenn sie (verschärftes Glatteis!) aus Höflichkeit danach fragten. Ich wolle mich einfach selbst davor schützen, anderen den Zugang zu einem Grundthema meines Herzens zu öffnen, wenn die Nachfrage in Wahrheit nur eine “How do you do”-Floskel sei. Wer meine Familie wirklich kennenlernen wolle, könne ja zu Besuch kommen.

Der Tisch schickte sich sofort an, die Unhöflichkeit meiner Antwort schnellstmöglich zu umschiffen, weil ich ja quasi meinen Gesprächspartnern ins Gesicht ein heuchlerisches, unehrliches Verhalten unterstellt hatte. Offen gesprochen, ich selbst fand auch, dass man das Thema besser schnell beenden sollte und ich mir fürs nächste Mal besser eine nichtssagende Standard-Antwort überlege.

Aber das Schwergewicht hatte offensichtlich gerade Lust, über den Inhalt meiner Antwort mehr nachzudenken als über die mitschwingende Geste, und sagte schließlich, ja, das sei eigentlich gar nicht so dumm. Davor müsse man wirklich auf der Hut sein. Er habe das schon oft erlebt, weil ja die Leute im literarischen und akademischen Betrieb alle sehr freundlich und verbindlich seien – “und dann kommt aber jemand her und denkt wirklich, das ist Freundschaft. Ich habe schon einige erlebt, die sind am Ende an der Enttäuschung zerbrochen.”

Samtige, professionelle Verbindlichkeit ist kein Holocaust, aber ist es deswegen nicht banal-böse? In dieser milden Frühlingssonne am Tisch mit all diesen ehrgeizigen, aufmerksamen Leuten hatte ich plötzlich Arendts Stimme im Ohr, wie sie Eichmann beschreibt und eine für ihn besonders charakteristische Anekdote hervorhebt – wie sie beschreibt, was ihm, der geholfen hat Abertausende zu ermorden, in seinem institutionellen Konkon wirklich an die Seele ging:

The choice between the S.S. and Schlaraffia (the name derives from Schlaraffenland, the gluttons’ Cloud-Cuckoo Land of German fairy tales) might have been hard to make, but he was “kicked out” of Schlaraffia anyhow; he had committed a sin that even now, as he told the story in the Israeli prison, made him blush with shame: “Contrary to my upbringing, I had tried, though I was the youngest, to invite my companions to a glass of wine.”

Mit uns am Tisch war kein Mensch, der unser Beisammensein an diesem Tag für Freundschaft hielt. Und in diesem Moment wurde mir klar, dass diese Abwesenheit ihre banalen und schrecklichen Gründe hatte.

Der Damenbart der Femme Fatale

Jeder kennt Scarlett O’Hara aus “Gone with the Wind:” Scarlett O’Hara ist Vivien Leigh ist bildschön.

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Allerdings ist der erste Satz, den Margaret Mitchell im Buch schreibt, dieser hier:

Scarlett O’Hara was not beautiful, but men seldom realized it when caught by her charm as the Tarleton twins were.

Manche Dinge stellen wir uns falsch oder zumindest sehr verkümmert vor, wenn wir sie uns visuell vorstellen. Gerade in der Literatur gibt es eine ganze Sparte von Bedeutungsebenen, die visuell nicht übersetzbar sind, weil die Beschreibung einer Figur direkt davon abhängt, wie der Erzähler “irrationalerweise” auf sie reagiert. Ein klassisches Beispiel ist Mr. Hyde in Robert Louis Stevensons “Dr. Jekyll und Mr. Hyde” (1886). In der Novelle steht:

Abgesehen von dem abschreckenden Ausdruck seines Gesichtes fiel mir sofort die sonderbare Verbindung großer Muskelstärke mit scheinbarer Körperschwäche auf und – last but not least – ein seltsames subjektives Mißbehagen, das seine Nähe mir erregte. Dieses Unbehagen hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit einem beginnenden Starrkrampf und wurde von einer deutlichen Abnahme des Pulsschlages begleitet. Damals führte ich es auf eine gewisse Idionsynkrasie zurück, einen persönlichen Widerwillen, und wunderte mich nur über die Heftigkeit dieser Symptome. Aber seit jener Zeit hatte ich Grund zu glauben, daß die Ursache viel tiefer in der Natur des Menschen begründet lag, und edlere Beweggründe als Haßgefühl dafür anzunehmen.

Hydes Darstellung funktioniert vor allem darüber, dass er im Beobachter Reaktionen auslöst, und diese dann beschrieben werden um zu erklären, was Hydes Natur ausmacht. Das lässt sich visuell nun gar nicht übersetzen. Man nehme als krassestes Beispiel nur mal die “Liga der außergewöhnlichen Gentlemen” mit ihrem Hulk-Hyde. Das ist nicht Hyde – aber der Punkt ist, kein verfilmter Hyde ist Hyde, weil der Beobachter die Kamera ist, und die Kamera kann nicht zurückschrecken oder angewidert sein.

Dieses Phänomen gibt es aber nicht nur für Hässlichkeit, sondern (um zu O’Hara zurückzukehren) auch für Schönheit. Am Krassesten ist das O’Hara-Missverhältnis zwischen Buch und Film traditionell bei der Figur der Femme Fatale. Spätestens seit dem Film Noir stellt man sich die Femme Fatale als divenhafte, perfekte Schönheit mit Zigarette und High Heels vor. Beispielsweise Rita Hayworth.

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Man entdeckt Überraschendes, wenn man auch mal ein paar literarische Beispiele heranzieht.

Beispiel 1: Sue Grafton, “U is for Undertow” (2009).

Destiny was in her mid-twenties, six or seven years older than he. He’d never encountered anyone as hang-loose as she was. Her nails were bitten to the quick and her hair was a mass of curls. Her earrings were big silver hoops. She wore a scoop-necked peasant blouse, a long skirt, and Birkenstocks. She was chunky and smelled sooty from all the dope and cigarettes she smoked, but the scent reminded him of his mother. Destiny was a walking warning about the health hazards of poor nutrition and substance abuse. […] In her company, Jon was detached, seldom making eye contact. Surreptitiously he studied her, noting her gestures, absorbing her raucous laugh and her air of confidence. She didn’t shave her legs or armpits, and she exuded an animal smell that stirred him in some curious way. She’d taken to ignoring him, but he knew she was as aware of him as he was of her. She was the antithesis of the Playboy centerfolds and he wove her into his daydreams.

Beispiel 2: Trueman Capote, “Handcarved Coffins” (1979).

The red tie he wore was appropriate for a more festive occasion. A suitor en route to a rendezvous? The possibility had occurred to me last night when I’d heard him talking to Miss Mason; there was a tone, a timbre, an intimacy. But the instant I met Adelaide Mason, I crossed the thought right out of my mind. It didn’t matter how bored and lonely Jack might be, the woman was simply too plain. That, at least, was my initial impression. […] It was during dinner that my original impression of our younger hostess began to change. […] True, her face was flawed, but her figure, displayed in a close-fitting grey jersey dress, was adequate, not bad really; and she acted as though it was sensational; a rival to the sexiest film star imaginable. The sway of her hips, the loose movements of her fruity breasts, her crontralto voice, the fragility of her hand-gestures: all ultra seductive, ultra feminine without being effeminate. Her power resided in her attitude: she behaved as though she believed she was irresistible; and whatever her opportunities may have been, the style of the woman implied an erotic history complete with footnotes.

Beispiel 3: Jules-Amedee Barbey d’Aurevilly, “Die alte Mätresse” (1851).

Diese schöne Zofe mit der Gestalt einer Göttin, war von ungewöhnlicher Schönheit, die durch ihre noch ungewöhnlichere Aufmachung unterstrichen wurde. […] Beim Anblick Olivias kam man auf den Gedanken: “Wenn die Zofe schon so aussieht, wie muß dann erst die Herrin aussehen.” […] [Aber] Die Senora Vellini war nicht mehr jung und war noch nie hübsch gewesen. Olivia war also keineswegs wie eine strahlende Schwelle, die der übermäßige Stolz vor sich aufgebaut hat, damit man über sie von einer schönen Frau zu einer noch schöneren Frau aufsteigt. Im Gegenteil, es war wie ein plötzlicher Abstieg, wenn man, noch geblendet von der Schönheit Olivias, die häßliche Gestalt der Vellini sah. Die Vellini war klein und mager. Ihre Haut, der es für gewöhnlich an Schmelz fehlte, hatte einen Ton, der fast so dunkel war wie der Wein, den man aus den verbrannten Trauben ihres Heimatlandes keltert. Ihre ohnehin schon schroff vorstehende Stirn wirkte durch eine kleine Vertiefung am Nasenansatz noch gewölbter. Ein zu großer, von blauschwarzem Flaum überschatteter Mund, zusammen mit einer ungewöhnlich flachen Brust, gab der Senora das Aussehen eines jungen Mannes, der sich verkleidet hat; ja, so sah sie aus, und dieser Anblick enttäuschte zunächst, schockierte auf den ersten Blick, ließ uns, mit unseren an die Konturen des kaukasischen Schädels gewöhnten Augen, sagen, die Senora Vellini sei hässlich; […] Sie war wirklich nicht schön… Aber wenn irgendeine Leidenschaft oder eine Laune sie hochschnellen ließ, wenn ein unsichtbarer Trompetenstoß, eine wiedererwachte Regung erstarrter Gefühle ein Zittern durch ihren nervösen, mageren Körper jagte und sie aus ihrem Gedankenschlaf herausriß, dann war sie… nein, nicht schön, das niemals, aber voller Leben – und diese Lebendigkeit wog alle Schönheit der anderen Frauen auf! Ihre Schönheit erschuf der Ausdruck – dieser auf dem Grund unserer Seele verborgene Gott – durch eine überwältigende Metamorphose.

Was gerade in den ausführlicheren Zitaten auffällt, ist dass die Körperteile der Femme Fatale ständig einzeln bemessen und beurteilt werden. Aber bei einer Femme Fatale haben solche Aufzählungen einen ganz eigenen Sinn: diese klassischen Fratboy-Beurteilungsmuster weiblicher Schönheit werden bei der Femme Fatale in erster Linie aufgeführt, weil sie so grandios scheitern.

Die Femme Fatale ist die ultimative Verführerin, weil sie sinnliches Begehren hervorruft, ohne dass es mit konventioneller Schönheit zu erklären ist. Sie ist in diesem Sinne der genaue Gegenpol zu Mr. Hyde, der die Leute abstößt und anekelt, ohne dass das wirklich auf seine Hässlichkeit zurückgeführt werden kann. Es ist alles viel existenzieller, viel – und dieses Wort passt wirklich – abgründiger. Wer in einen Anblick schaut, kann seine Ausmaße nicht erkennen, weiß nicht ob er leer ist oder belebt (“gähnend”). Man sieht nur, dass man nicht im Ansatz genug sehen kann. Wenn man die Natur des Abgrunds wirklich kennenlernen will, kann man sich nur hineinstürzen.

Wer sich eine Femme Fatale als konventionelle Schönheit vorstellt, macht sich ein völlig falsches Bild von dem Begehren, um das es in der Geschichte eigentlich geht. Im Gegenteil – die Femme Fatale dramatisiert, dass konventionelle Schönheit mit Begehren soviel zu tun hat wie die Schale eines Apfels mit dem Geschmack.

Die dunkle Seite der philosophischen Medaille

Heute habe ich in der “Zeit” eine Kolumne gelesen (“Man muss die Hitze vertragen können” von Ulrich Greiner; ich verlinke das absichtlich nicht), in der es mal wieder darum geht, das Abendland vor Gutmenschen zu retten, die ganz Deutschland ihre Meinung aufzwängen wollen. Der Grundtenor ist, dass man ja schon gute Nerven brauchen würde, um das wieder zu ertragen. Immer diese nickeligen Jammerlappen, die sogar vor unseren großen deutschen Denkern nicht Halt machen mit ihren Übergriffen. Man denke (sic!):

In einer Vorlesung hatten einige Studenten philosophische Texte als diskriminierend empfunden. Eine Stellungnahme des Asta monierte, Hegel, Rousseau und Kant verbreiteten aus einer eurozentristischen weißen Perspektive rassistische Ansichten. – Ulrich Greiner

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: da nennen die Rousseau einen Rassisten, obwohl der doch den affenartigen Urmenschen quasi im Alleingang in die aufklärerische Philosophie eingeführt hat. Barbarisch!

Sicherlich wabert im Hintergrund von Herrn Greiners Text die Annahme mit, Leute wie Kant und Hegel seien schon mal grundsätzlich über jede Kritik erhaben. Was diese Gutmenschen sich wieder um jeden Preis beleidigt fühlen wollen, lachhaft – der deutsche Philosoph denkt bekanntermaßen zu abstrakt für Diskriminierung. Na okay: Schauen wir doch mal stellvertretend bei Kant nach, sagen wir mal, einfach wild (sic!) rausgegriffen, im “Zweiten Definitivartikel zum ewigen Frieden.”

Gleichwie wir nun die Anhänglichkeit der Wilden an ihre gesetzlose Freiheit, sich lieber unaufhörlich zu balgen, als sich einem gesetzlichen, von ihnen selbst zu konstituierenden Zwange zu unterwerfen, mithin die tolle Freiheit der vernünftigen vorzuziehen, mit tiefer Verachtung ansehen und als Rohigkeit, Ungeschliffenheit und viehische Abwürdigung der Menschheit betrachten, so, sollte man denken, müssten gesittete Völker (jedes für sich zu einem Staat vereinigt) eilen, aus einem so verworfenen Zustande je eher desto lieber herauszukommen; […] und der Unterschied der europäischen Wilden von den amerikanischen besteht hauptsächlich darin, dass, da manche Stämme der letzteren von iihren Feinden gänzlich sind gegessen worden, die ersteren ihre Überwundene besser zu benutzen wissen, als sie zu verspeisen… – Immanuel Kant, “Zum ewigen Frieden” (1796 [2010, 16-17])

…nämlich sie zu versklaven, wozu Kants Meinung immerhin ambivalent ist.

Man kann sich sicherlich darüber streiten, ob eurozentrisch und rassistisch zu harte Beschreibungen sind für ein Argument, das explizit darauf verweist, dass der nichteuropäische Wilde seinen Mangel an ethischen Sitten schon allein dadurch zur Schau stellt, dass er “bekannterweise” nach jeder Klopperei seine Rivalen frisst. Es wäre für mich persönlich schwierig, eine andere Charakterisierung dafür zu finden, aber gut. Ein Standard-Gegenargument wäre sicherlich: “Das kann man doch nicht Kant anlasten! Diese Formulierungen sind einfach der üblichen Sprache seiner Zeit geschuldet!”

Es stimmt durchaus, dass solche Äußerungen in einem ganz klaren kolonialistischen Kontext stehen, dem sich keiner der großen aufklärerischen Denker entziehen konnte – aber ich würde schwer bezweifeln, dass sie da einfach nur irgendwas nachgeplappert haben, was für ihre eigenen Argumente letztendlich keine Rolle spielt. Immerhin war der springende Punkt der Aufklärung ja, für diese neue koloniale Weltordnung eine philosophische Basis zu schaffen – und nicht zuletzt basiert aufklärerisches Denken auf der Idee des Naturzustands, der auch irgendwo in der Realität abgebildet werden wollte. In diesem Kontext galt vor allem der “amerikanische Wilde” als Präzedenzfall des Naturzustands in der aufklärerischen Philosophie, was dann natürlich auch auf den Umgang mit existierenden Menschen übertragen wurde:

The simplest way to describe the Indian [in European and U.S. American discourse of the 18th and 19th centuries] would be to say that he was uncivilized. The simplest way to evaluate him would be to say that his virtues and vices, his bravery and cruelty, were products of his being uncivilized. One would thus be evaluating not so much the qualities of an individual as those of a society; and one would be placing that society in relation to one’s own in such a way that history, and the idea of progress which gave meaning to history [und zwar spezifisch in der aufklärerischen Philosophie], would solve the problem of evaluation. – Roy Harvey Pearce, “Savagism and Civilization” (1953 [1967, 104])

Genau in diesem Sinne nutzt Kant im “Ewigen Frieden” den Verweis auf den menschenfressenden Wilden dann auch – als pauschale Negativschablone, um sein eigenes Argument zugunsten eines dezidiert europäischen Modells zu stabilisieren. Man kann Kant natürlich weiterhin lesen und sogar verehren. Ich persönlich lese ihn auch ziemlich gern. Nur sollte man ihn deswegen unterstellen, nichts Eurozentrisches und nichts Rassistisches geschrieben zu haben? Ich meine doch, er hat es getan. Ich finde es auch richtig, dass StudentInnen auf so eine Textdimension aufmerksam machen, denn diese Textdimension existiert im gesamten aufklärerischen Denken – das ist nicht mal eine Neuigkeit. Roy Harvey Pearce hat den eben zitierten Text schon 1953 geschrieben.

Die reflexhafte Verteidigung von Kant & Co ist allerdings nicht, was mich an Herrn Greiners Kolumne stört – einer entspannt gutsherrenartigen Oberflächlichkeit im Argument kann ich notfalls noch was abgewinnen, schlimmstenfalls kann ich sie ignorieren so wie ich viele andere Wortmeldungen in diesem Zusammenhang sowie die gesamte Zeitschrift “Cicero” ignoriere.

Aber tatsächlich hat Herr Greiners Verteidigung aufklärerischer Denker im Speziellen mir klar gemacht, was mich an diesem gesammelten Gesülze eigentlich so nervt – denn ich finde solche Wortmeldungen beleidigend, obwohl ich jedem sein Recht auf schlechte Recherche zugestehe und auch nichts dagegen habe, wenn einer mal ziellos durch die Gegend assoziiert.

Also, was nervt mich nun? Etwa das pauschale Herabsetzen von Gegenpositionen à la sowas hier?

Sie sprechen im Namen anderer, die sich gekränkt fühlen könnten. So wie die Humboldt-Studenten im Namen einer aufgeklärten Moderne den alten Paternalismus verdammen. Es liegt auf der Hand, dass dieser Moralismus, der gar nicht neu ist, sondern eine lange und deutsche Tradition hat, niemandem nutzt. […] Nein, Tugendterror kann man das alles nicht nennen. Es handelt sich um Rechthaberei, um Empörungslust, um Denkfaulheit. – Ulrich Greiner

Bei sowas kommt mir ganz unabstrakt das Frühstück hoch, und zwar gerade weil Herr Greiner uns im gleichen Text mit Hegel, Rousseau und Kant daherkommt. Dieser Mann hat doch grundsätzlich nicht verstanden, wie philosophisches Denken funktioniert. Er hat einfach nicht mitbekommen, dass gerade die von ihm zitierten StudentInnen absolut klassisch philosophisch argumentiert haben. Dass sich ihre Perspektiven sehr sauber analytisch nachvollziehen lassen würden, wenn man denn wollte. Dass es mit einem affektierten “Kant und Hegel beleidigen, so geht es nicht!” nicht getan ist WEIL man sich mitten in einer philosophischen Debatte befindet, in der die Unangreifbarkeit bestimmter Positionen grundsätzlich nicht postuliert werden darf.

Dieses lästige Gutmenschentum, wie es von Herrn Greiner verstanden wird, ist für mich etwas ganz anderes, nämlich gelebte Philosophie. Es ist eine kritische Überprüfung normativer gesellschaftlicher Grundannahmen. Diese Überprüfung fußt nicht zuletzt auf Reflektionen über Ethik und das Gute Leben – und das verdammt nochmal zu Recht. Alles andere wäre gar keine Philosophie, die den Namen verdient.

Das ganz pauschal als denkfaule, schrille Quengelei von den billigen Plätzen zu beleidigen – also, SO geht es wirklich nicht, und das wird man ja wohl mal in aller Deutlichkeit so sagen dürfen!

___

Btw, bevor hier jetzt einer rumnörgelt: Ja, die Erstausgabe des Ewigen Friedens stammt aus dem Jahr 1795, nicht 1796. Die von mir benutzte Ausgabe bezieht sich aber auf die erweiterte zweite Auflage, und da stimmt das Jahr dann wieder.

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